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Die Ehe ist noch nicht am Ende!

Plädoyer für das Projekt „Lebenslange Treue“
Von Dr. Alfons Hämmerl
Landshuter Zeitung vom 15. 1. 2000

Wer heute als Theologe seine Stimme erheben will, darf sich nicht mehr auf die selbstverständliche Autorität der Kirche verlassen, sondern muß im Konzert der Pluralität von Meinungen plausible Argumente liefern.
Bei der Frage nach der Zukunft der Ehe ist es nicht anders. Es steht zur Debatte, ob das Modell „Lebenslange Treue zu einem Lebenspartner des anderen Geschlechts“ heute noch in der Lage ist, die Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse des modernen Menschen aufzugreifen und ihm bei der glückbringenden Gestaltung seines Lebens hilfreich zur Seite zu stehen.
Es fragt sich: kann das Projekt Ehe so gestaltet werden, daß auch Menschen von heute davon profitieren können?

Liebe als Bereicherung
Beziehungen zwischen Menschen können nur gesund und dauerhaft wachsen, wenn sie von einem ausgewogenen Verhältnis von Bedürfniserfüllung, Selbstbehauptung und Fürsorgebereitschaft geprägt sind. Diese Erkenntnis darf auch christliche Ethik nicht ausblenden, indem sie - wie in der Vergangenheit leider immer wieder geschehen - einseitig auf Selbstlosigkeit pocht. Man tut gut daran, entsprechende Hinweise der Bibel ernst zu nehmen; Jesus fordert, den Nächsten so zu lieben, wie man sich selbst liebt: damit ist die Sorge für die eigene Person nicht aus-, sondern gerade eingeschlossen. Und die sogenannte „Goldene Regel“ mahnt, dem anderen das angedeihen zu lassen, was man auch für sich selbst erwartet. Christliches Programm ist also keineswegs die duckerische Selbstaufgabe. Liebesgebot und Goldene Regel bewahren sich gegenseitig vor zwei Extremen: Auf der einen Seite vor dem naiven Egoismus - „ich gebe dir nur soviel, wie ich auch von dir bekomme“ -, andererseits genauso vor einem totalen, letztlich selbstzerstörerischen Altruismus. Es kann keine menschliche Fürsorge geben ohne das gleichzeitige Sich-brauchen und Gebrauchen. Eine Beziehung, in der nicht jeweils der eine von des anderen guten Eigenschaften und Vorzügen profitieren - ja, auch diese mit Freude und Lust genießen kann und darf, ist im Grunde fruchtlos! Die Aussage, der Mensch dürfe niemals zum Objekt des Menschen
werden, darf nicht verabsolutiert werden. Denn selbstverständlich wird in einer lebendigen und fruchtbaren Beziehung immer wieder der eine vom anderen profitieren - und es ist doch auch eine Freude zu sehen, daß man dem anderen etwas geben kann. Wirklich bedenklich würde es erst dort, wo ein Mensch zu sehr oder gar ausschließlich auf das Objekt-Sein festgelegt und dann im wahrsten Sinne ausgenutzt würde. Es geht also um die richtige Balance zwischen Geben und Nehmen - um Gegenseitigkeit also.

Liebe als Selbstbehauptung
Herkömmlichen Eheleitbildern paßt es nicht in den Kram: aber auch Aggression und Kampf gehören zu einer lebendigen Beziehung! Jeder der Partner muß sich vor der Gefahr des „Verschmelzens“ mit dem anderen hüten, sich immer wieder auch abgrenzen und darin seinen Selbstand und seine Eigengeltung bilden und bewahren. Aggression als konstruktive Kraft verhilft zum konkreten Gestalten der Beziehung durch das Durchsetzen von Werthaltungen und Überzeugungen, mit denen man sich identifizieren kann und innerhalb derer man leben kann und will. Wichtig ist ja, daß die Partner ihre eigenen Vorstellungen und Einstellungen nicht in einer falsch verstandenen „Friedfertigkeit“ voreilig über Bord werfen, sondern auch willens und fähig sind, für sie zu kämpfen. Dies bedeutet notwendigerweise auch Phasen der Gegnerschaft innerhalb einer Beziehung, die - es ist eigentlich eine Binsenweisheit - ohne die Fähigkeit, zu streiten nicht gelingen kann. Worauf es allerdings ankommt, ist die Art, wie gestritten und gekämpft wird: konstruktiv oder destruktiv, fair oder unfair.

Liebe als Hingabe
Im ausgewogenen Spannungsfeld „Geben - Nehmen - Behaupten“ kann endlich auch das Wirklichkeit werden, was oft einseitig, kurzschlüssig und irreführend als alleiniges Ideal der Liebe ausgegeben wird: die Hingabe und Fürsorge für den anderen. In ihr zeigt der eine konkretes Interesse an der Förderung des anderen und hilft ihm, mehr er selbst zu werden. Fürsorge heißt, daß die Partner sich wohlwollend begegnen, einander in der Entwicklung ihrer Anlagen und Fähigkeiten fördern und bei der Gestaltung des Lebenskreises behilflich sind. In dieser Dimension können Menschen dahin gelangen,  zu entdecken, daß die eigene Lust und Freude immer auch verknüpft ist mit der Lust und mit der Freude des anderen. Aber auch und gerade hier ist noch das Spannungsfeld der Gegenseitigkeit zu spüren; Hingabe als „Einbahnstraße“ ist ein unwegsamer Irrweg.

Frei werden - durch den Mut, sich zu binden
Freiheit und Selbstbestimmung sind grundlegende Güter, ohne die kein humanes Leben vorstellbar ist. Auch die Ehe muß nach ihrer Leistungsfähigkeit für die Förderung der Freiheit befragt  werden.
„Freiheit“ ist jedoch nicht vollkommen verstanden, wenn man sie nur als Möglichkeit des Auswählens sieht. In einem tieferen Sinn gehört zur Freiheit auch, zu einmal getroffenen Entscheidungen zu stehen.
Auch, wenn es Entscheidungen gibt, die revidiert werden müssen: für meinen Selbstand ist es zunächst einmal förderlich, wenn ich die Geschichte meiner Entscheidungen als meine Geschichte gelten lassen kann, selbst wenn ich möglicherweise aus heutiger Sicht dies oder das anders machen würde. Denn diese „heutige Sicht“ hat ja aus mir den gemacht, der ich jetzt bin; wenn ich meine Geschichte nicht annehmen kann, lehne ich auch den ab, der ich selber geworden bin. Fähigkeit zur Entschiedenheit ist also Basis für die Bildung von Selbstidentität.
„Entschiedenheit“ ist in unseren Tagen stark unterbewertet. Doch aus ihr könnte die Kraft wachsen, Konflikte auszuhalten und zu meistern. Oftmals wird davon ausgegangen, für eine gute Ehe ginge es nur darum, den „idealen“ Partner  zu finden. Sigmund Freud soll dagegen einmal - sicher überzeichnend, aber doch nur zu wahr - gesagt haben: „Die Liebe zwischen Mann und Frau beginnt dort, wo die beiden merken, daß sie nicht zusammenpassen!“ Damit betont er überdeutlich die Notwendigkeit der Entschiedenheit für eine tragfähige Beziehung. Denn den Partner schlechthin gibt es nicht, und Heirat aus romantischer Liebe allein genügt nicht. Die Ehe bleibt nur dann Liebesgemeinschaft, wenn Mann und Frau sich ständig um das Wachsen und die Vertiefung ihrer Liebe bemühen; dies schließt Bereitschaft zur Leidenserfahrung und die Kraft zur Entschiedenheit mit ein.
Wenn Liebe nicht vorschnell vor Konflikten zurückschreckt, kann sich die Erfahrung einstellen: nicht nur trotz, sondern vielleicht sogar wegen so mancher Verschiedenheit können wir ein gewinnbringendes Leben miteinander führen.
Natürlich kann es auch tatsächlich verfehlte Entscheidungen in der Partnerwahl geben - es soll hier nicht das sture und rein gesetzliche Festhalten an einer längst hohlen und unwiederbringlich toten äußeren Form gepredigt werden. Die Entscheidung jedoch, wann wirklich jeder Wiederbelebungsversuch unsinnig geworden ist, ist sehr schwer und nur im konkreten Einzelfall zu treffen. Für einen gewissenhaften Umgang mit dieser Entscheidung ist in der Regel eine fundierte Beratung vonnöten.
Einen besonders sprechenden Ausdruck findet die „Freiheit der Entschiedenheit“, wenn die Partner ihre Entscheidung füreinander öffentlich kundtun. Von allen theologischen Begründungen einmal abgesehen, liegt hier der Wert einer öffentlich-verbindlichen Eheschließungsform. Dadurch, daß die Umwelt um die Entschiedenheit zweier Partner füreinander weiß, ergibt sich zusätzliche Sicherheit und eine Förderung des gegenseitigen Vertrauens.

Liebe auf Dauer - durch Mut zum Wandel
Das Thema „Vergänglichkeit“ taucht an verschiedenen Stationen einer Beziehung sehr deutlich auf - etwa an den vielen „Knotenpunkten“ im Zusammensein von Frauen und Männern, die nach Auskunft der Soziologen besonders „veränderungsträchtig“ sind, allen voran der Geburt des ersten Kindes einerseits und andererseits dem Zeitpunkt, wo die Kinder das Haus wieder verlassen. An diesen Schnittstellen müssen die Partner ihre Rollen neu definieren, wodurch gleichzeitig das Konflikt- und Krisenpotential erhöht wird. Dazu kommt, daß nicht nur in der Beziehung als solcher, sondern auch in dem vielfältigen Netzwerk, in das sie verwoben ist, ständig Änderungen stattfinden. Jede Veränderung an irgendeinem Punkt betrifft das Gesamtsystem mit, stört dessen Balance und ruft nach neuer Austarierung. Wegen dieser Schwierigkeiten wird vielfach lebenslange Bindung als Utopie erklärt und demzufolge ein Abbau der Institutionalität der Ehe gefordert. Es sei unrealistisch, sich einen Partner fürs ganze Leben zu erwarten, bestenfalls könne man einen „Lebensabschnittspartner“ finden.
So wenig ein stures und rücksichtsloses Festhalten an einer unwiederbringlich abgestorbenen Beziehung im Sinne einer recht verstandenen „Unauflöslichkeit“ sein kann, so sehr muß hier von seiten des Theologen doch noch Stichhaltiges eingewendet werden. Katholisches Verständnis nennt die Ehe ein „Sakrament“, und drückt darin die Überzeugung aus, daß der Weggemeinschaft der Liebenden von Gott her eine Heilszusage gegeben ist; ihre Liebe kann Bestand haben, weil sie immer schon eingebettet ist in die Liebe Gottes, von der sie ihre Kraft bezieht. Christen sehen also die Liebe in keiner Phase als reines Menschenwerk (so sehr das Mühen um menschliche Beziehungs- und Liebesfähigkeit unbedingte Voraussetzung ist), sondern wenn Liebe vorkommt in dieser Welt, dann ist immer schon Gott mit im Spiel.

Ehe als Sakrament
Das christliche Verständnis von „Ehe als Sakrament“ ist in der Lage, mit der Veränderlichkeit und Flüchtigkeit der Liebe umzugehen. In ihr äußert sich die erschreckende Erkenntnis, nichts festhalten zu können, ja, die Angst vor dem Verlust der eigenen Identität und damit letztlich die Furcht vor dem Sterben. Nicht umsonst wurden ja Liebe und Tod immer wieder als zwei Seiten einer Medaille beschrieben.
Wer nun die Liebe als Sakrament begreift, glaubt: das Sterben in all seinen vielfältigen Formen muß nicht Ende bedeuten, sondern kann Zentrum eines Wandlungsprozesses werden. Konkret für die Ehe kann das heißen: All die vielen Tode und „Karfreitagsstunden“, die eben auch zum Prozeß einer Beziehung gehören - das Erlöschen der Zuneigung, keine Zeit haben füreinander, Getrennt-sein, Entfremdung und bittere Enttäuschung, kräfteverzehrende Konflikte, Loslassen-müssen von Lebensplänen, das „Zu-Grabe-Tragen“ von unrealistischen Erwartungen - all diesen Momenten ist „Auferstehung“ verheißen. Einer christlich verstandenen Ehe kann somit eine sonst kaum denkbare Kraft zuwachsen, Krisen und Konflikte durchzustehen und zu bewältigen; und es gibt keine gelingende Ehe ohne das Annehmen der je neu sich ergebenden Verschiedenheit zweier Menschen, ohne Bewältigung der Konflikte, die unvermeidlich im Aufprall von Wunschbild und jeweils konkreter Wirklichkeit entstehen.
Ein weiteres: So sehr die Liebe lebensnotwendig ist, so kann sie sich doch kaum entfalten, wenn sie gefordert wird. Nirgendwo gilt so sehr wie hier: Was sein muß, wird (gerade deswegen) unmöglich, und nur, was in Freiheit und Gelassenheit sein darf, kann geschehen. Es wäre eine ungeheure Belastung, wenn sich ein Partner für das Glück des anderen im letzten verantwortlich machen würde; und es wäre eine zerstörerische Überschätzung des anderen, wenn man von ihm in einer Art „Vergötterung“ das erwarten würde, was menschenunmöglich ist und eben nur von Gott kommen kann. Ganz konkret: Wer die Verbindung zu seinem Partner im Sinne des christlichen Eheverständnisses gestaltet, bemüht sich zwar, einen sinnvollen Beitrag für das Glück des Partners zu geben; er ist aber davon entlastet, das Glück in seiner Partnerschaft herstellen zu müssen, denn er weiß: die Liebe ist und bleibt Geschenk!
Eine solche Grundhaltung befreit zum Glück, weil sie den Zwang dazu wegnimmt.

Liebe lebt von Wahrheit
Liebe ist kein bloßes Abstraktum, sondern sie verschafft sich Ausdruck, ganz besonders durch das Medium der Sexualität. Diese ist Teil der menschlichen Kommunikationsfähigkeit und darin der Sprache nahe verwandt. Vieles, was körperlich zum Ausdruck kommen kann, läßt sich nicht in Worte fassen, aber auch umgekehrt: vieles, was der Körper nicht sagen kann, kann in Worten ausgedrückt werden. Wortsprache und Sprache des Leibes ergänzen sich also. „Sexualität als Sprache“ ist auch der Bibel bekannt. Das, wofür die deutsche Sprache nur den technologischen Ausdruck „Geschlechtsverkehr“ kennt, benennt die Bibel so: „Der Mann erkannte seine Frau“. Die geschlechtliche Vereinigung ist also mehr als der Vollzug des Beischlafes. „Erkennen“ umfaßt ein Verstehen des ganzen Menschen. Hieran sind Leib, Seele und Geist, sowie alle Sinne mit beteiligt. Die Geschlechtlichkeit ist also das Medium, in dem Menschen sich einander ganz eröffnen und in dem sie sich auf unmittelbare Weise verstehen können. Menschen, die ihr Augenmerk darauf richten, den anderen zu erkennen, erfahren etwas von der Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit des Partners. Dies ist ein sehr zärtliches Geschehen.
So, wie das Sprechen gelernt sein will, kann auch nur der sexuell lieben, wer aus den leibhaftigen Beziehungen zu seinen Eltern Wertschätzung und zärtliche Geborgenheit kennt. So wird eine Basis geschaffen für die Beherrschung des Alphabets der Zärtlichkeit und der Liebe. Wie aber auch das Erlernen der Wortsprache durch das Elternhaus nicht abgeschlossen wird, sondern sich im Grunde ein Leben lang fortsetzt in der Praxis des Sprechens und Hörens, so ist auch die Entwicklung der Sexualität zu einer reifen Sprache der Liebe auf einen andauernden Lernprozeß angewiesen, der zu einem beträchtlichen Teil in der Begegnung der Geschlechter selbst stattfindet und Bereitschaft zum Hören voraussetzt.
Es gibt aber auch die Kehrseite: Wie das Sprechen, so kann auch das sexuelle Lieben mißlingen. Durch beides können Menschen einander verletzen und Schmerz zufügen. Auch die Gefahr des Mißverständnisses, ja sogar des Mißbrauchs ist gegeben. Deswegen steht die Sprache des Leibes analog unter derselben Anforderung wie die Sprache der Worte: dem Kriterium der Wahrhaftigkeit. Daraus ergibt sich der Anspruch an alle Liebenden: Was durch die Sprache der Liebe zum Ausdruck gebracht wird, muß wahr sein!

Ehe - ein Projekt mit Zukunft
Ehe muß nicht zum Auslaufmodell degenerieren; für Männer und Frauen gibt es auch heute noch gute Gründe, ihr Miteinander nach diesem Modell zu gestalten. Wenn ein Mann und eine Frau ihre Beziehung ernsthaft leben, ihren Konflikten nicht ausweichen, miteinander auf faire Weise um Lösungen ringen und dabei nicht vergessen, daß eine gelingende Beziehung nie reines Menschenwerk ist - dies alles in einer Atmosphäre grundlegenden Wohlwollens - dann können auch Kinder in diesem Umfeld wiederum ein fundiertes Lebenswissen erwerben, das auch sie selber beziehungsfähig macht. Und dies ist eine der entscheidendsten Voraussetzungen, glücklich sein zu können.
Jedoch muß das Projekt „Lebenslange Treue“ immer wieder neu entworfen und gestaltet werden, so daß auch Menschen unserer Tage Platz darin finden. Dies ist eine Aufgabe sowohl der einzelnen Eheleute selbst als auch derjenigen, die - vor allem von Berufs wegen - über die Ehe reden. Hier sind nicht zuletzt die Pfarrer und kirchlichen Prediger, aber auch alle öffentlichen Meinungsmacher angesprochen. Es darf nicht geschehen, daß jungen Menschen ein Zerrbild von süßer Romantik als Lebensaufgabe angehängt wird: hier würde das Scheitern vorprogrammiert. Denn es gibt kaum Unmenschlicheres, als wenn Menschen vergöttert werden - daran muß man fast zwangsläufig verzweifeln.

 

Ehe - ein Auslaufmodell?

Die Unionsparteien, zuletzt auch die bayrische CSU, befassen sich mit der Ausarbeitung eines „erweiterten Familienbegriffs“, der die klassische, auf Ehe gegründete Familie relativiert und in Frage stellt. Zugrunde liegt die soziographisch zu erhebende Tatsache, daß die „Monopolstellung“ der Ehe als die Standard-Lebensform für Mann und Frau nicht mehr die bundesrepublikanische Wirklichkeit widerspiegelt. Die Bedeutung der Ehe ist im Abnehmen. Der „Gegenwind“ weht zu einem bedeutenden Anteil aus Richtung der neuen Länder:  So werden bereits 53 von hundert Neugeborenen im Landkreis Müritz in Mecklenburg-Vorpommern außerehelich geboren; in Halle sind es 52 Prozent,  in Greifswald und Weimar 50, und in Leipzig 48. Doch auch in den westlichen Ländern ist - selbst wenn die absoluten Zahlen momentan noch weit mehr zugunsten der Ehe ausschlagen - ein ähnlicher Umbruch im Gange: Seit 1972 hat sich in Westdeutschland die Zahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften mehr als vervierfacht, die der Ehen mit Kindern ging um fast ein Viertel zurück. Aber auch die bereits zustande gekommenen Ehen sind wesentlich instabiler geworden: Täglich lassen sich 900 Deutsche scheiden - Tendenz steigend! 
Den folgenden Überlegungen liegt die Frage zugrunde, ob die Ehe, wie eine große deutsche Zeitung meinte, tatsächlich ein „Auslaufmodell“ ist.

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